Skorpione, Brüllaffen und Schlaglöcher

Die Osa Halbinsel
Meine zweite freie Woche in Costa Rica habe ich auf der Osa Halbinsel, einem beliebten Ort für alle Abendteurer, Tierliebhaber, Ökoturisten und Surfer verbracht.
Die Osa Halbinsel ist die an der südlichen Pazifikküste Costa Ricas gelegene Halbinsel. Die gesamte Halbinsel ist, aufgrund ihrer Abgeschnittenheit nur sehr spärlich besiedelt. Über ein Drittel bildet der Nationalpark Corcovado, welcher das größte Gebiet pazifischen Tieflandregenwald in Zentralamerika beinhaltet. Laut National Geographic ist dies einer der Orte mit der höchsten Biodiversität der Welt, welcher über 2% der bekannten Arten an Flora und Fauna des Planeten beheimatet. (Über 500 Baum-, 150 Orchideen-, 375 Vögel-, 124 Säugetier-, 123 Schmetterling-, 116 Amphibien- und sage und schreibe 8.000 Insektenarten)
Da eine Freundin einer meiner Mitarbeiterinnen dort in der Nähe ein Rescuecenter betreibt, war der ursprüngliche Plan mich in Puerto Jimenez (der größten “Stadt” und dem Basecamp für alle Besucher des NP auf Osa) mit 3 Freundinnen Matapalo zu treffen, um dort von einem Boot abgeholt und zum Rescuecenter gebracht zu werden und dort ein paar Tage zu helfen.
Alles fing an mit der Busfahrt von Matapalo nach Puerto Jimenez. Technisch gesehen liegen zwischen meinem Zuhause und diesem Paradies nur lediglich 200 km Straße, doch wir reden hier schließlich von Costa Rica. Mein erster Bus hat mich 2 Stunden von Matapalo 45 km weiter ins Landinnere gebracht. Dort sollte der nächste Bus eigentlich 3 Stunden später nach Puerto Jimenez fahren. Da dieser jedoch ausfiel musste ich 7 Stunden an einem Sonntag in einer kleinen Bergstadt verbringen. Die weitere Reise verlief jedoch auch nicht sehr viel schneller: für die verbleibenden 150 km brauchte der vollgestopfte Bus dann weitere 6 Stunden, so dass ich um 8 Uhr abends in Puerto Jimenez (PJ) ankam. Erstaunlich ist jedoch, dass ich diese doch etwas abenteuerliche Reise jeder Zeit ohne Bedenken wieder auf mich nehmen würde. Drei Stunden Busfahrt in Costa Rica entsprechen  einer gefühlten Stunde Busreise in Deutschland.
Da Frederik mein dänischer ehemaliger Zimmernachbar auf einer Ökofarm in der Nähe von PJ seinen Freiwilligendienst leistet, habe ich mich, nachdem ich ein schönes, kleines Hostel für 8$ die Nacht gefunden habe, mit ihm auf der Straße auf ein Bier verabredet. Als wir dann so durch den Ort gelaufen sind, haben wir eine andere Deutsche und eine Amerikanerin getroffen, welche schon seit einiger Zeit in dem Ort leben. Wir haben dann noch einige Locals kennengelernt, von dem einer praktischerweise das leckerste Restaurant im Ort besitzt.
Da Frederik am nächsten Morgen wieder zu seiner Ökofarm reiten (ja reiten und zwar ganze 2 Stunden durch den Dschungel) musste, habe ich mich entschieden alleine ein wenig die Halbinsel zu erkunden, bis ich mich dann am übernächsten Tag mit meinen Freunden treffen würde.
Also habe ich ein Zelt für eine Nacht ausgeliehen, mein restliches Gepäck im Hostel zur Aufbewahrung abgegeben und bin auf den Collectivo, den Bus der einen in Richtung des Nationalparks bringt gesprungen. Der Collectivo in Osa ist eine sehr eigene Angelegenheit. Da die Straße ab PJ eine von Flüssen überschwemmte mit Schlaglöchern übersäte Schotterstraße ist, gibt es einen großen Pick-up, welcher über der Ladefläche ein Plastikdach hat und alles von Personen, über Surfboards, Möbel bis zu Tieren alles mitnimmt. Für die 18 km von PJ bis Cabo Matapalo, meinem Campingstrand, braucht der “Bus” über ein ein halb Stunden um sämtliche Hindernisse zu bewältigen. Und ich rede hier von der Trockenzeit. Nach ein ein halb Stunden Rumgeschleuder und einigen kurzen Schwerelosigkeitsmomenten, bin ich dann abgesprungen (ausgestiegen ist hier eindeutig falsch am Platz) und durch den Dschungel bis zum Strand gelaufen. Da die Vegetation im Prinzip die Selbe ist, wie im Nationalpark, konnte man schon auf dem Weg sehr viele Tiere sehen. Während im Hintergrund ein Bruellaffe seine, in der Nacht durchaus etwas beängstigenden Laute von sich gibt, kann man ein Ara-Papagei-Paar an einem mit Totenkopfäffchen besetzten Baum vorbeifliegen sehen.

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Obwohl die Region um Cabo Matapalo von Eco-Lodges und –Hotels übersät ist, bekommt man hiervon am Strand überhaupt nichts mit und man fühlt sich wie am Ende der Welt auf einem einsamen, von Menschen verlassenen weißen Sandstrand. Nach einer Erkundungstour über den Strand habe ich dann mein Zelt unter den Palmen und Bäumen mit Ausblick auf den Strand aufgebaut und etwas gegessen. Da die Sonne so gegen 5:30 untergeht (und sich dies, ungewohnter Weise auch während des gesamten Jahres kaum verändert) habe ich mich dann schon sehr bald im Zelt auf meinem luxuriösen, granitweichen Sandmatratze niedergelassen. Die Nacht war nicht nur aufgrund der Härte des Schlafplatzes, sondern vor allem des unaufhörlich, auf ein eher auf Atmungsfähigkeit konzipierten Zeltes niederprasselnden Tropenregens sehr lang. Wenn man am nächsten Morgen dann von den ersten Sonnenstrahlen, Wellen und Affengeschrei aufgeweckt wird, vergisst man jedoch schnell die schlaflose Nacht. Nachdem ich etwas gegessen habe, habe ich dann alles zusammengepackt und bin die aufeinanderfolgenden Buchten entlanggegangen. In einer habe ich dann einen anderen Camper aus der Schweiz (französischsprachiger Teil) kennengelernt, welcher dann mit mir seine Mittagessen geteilt hat. Ich bin noch ein wenig in dem blauen Wasser der Bucht schwimmen gegangen und dann per Anhalter wieder in die Zivilisation zurück gefahren.
Zurück in PJ habe ich dann die Nachricht bekommen, dass wir nicht zu dem Rescuecenter fahren könnten, da das Boot kaputt sei. Also habe ich mich entschieden noch einige Tage in PJ zu bleiben und vielleicht mal so den NP zu besuchen. Als ich dann im Hostel einen Kanadier und einen Basken kennengelernt habe, welche vor ihrem NP-Besuch noch einige Tage Zeit hatten, haben wir entschieden zu dritt nochmal nach Cabo Matapalo zu fahren und dort zwei Nächte zu Zelten. Also haben wir uns zwei Zelte und ein Surfboard ausgeliehen, reichlich Avocados, Tomaten, Zwiebeln und Tortillas gekauft und wollten dann mit dem Collectivo losfahren. Planänderung: Da der eigentliche Bus eine Panne hatte fuhr nur ein kleiner Pick-Up, welcher zwar schon voll besetzt war, aber ich und Frederik, welcher auch mitkam konnten noch einen Platz auf dem Dach ergattern. Die anderen Beiden haben dann ironischer Weise für einen ähnlichen Preis ein Taxi genommen. Wir haben uns dann neben dem Schweizer niedergelassen, welcher dort noch weitere 3 Wochen campen würde. Nach einem Sprung ins nicht-ganz-so-kalte-Nass, haben wir dann an einem Lagerfeuer unsere Sachen getrocknet, Tortillas mit Guacamole gegessen und mit dem teuren Wein aus dem Tetra-Pack den Sonnenuntergang genossen. Die Nacht erwies sich trotz des so schönen Abends und meinem aus Palmenblättern konstruiertem Bett als sehr regnerisch und ungemütlich. Auch der Morgen war etwas bedeckt, aber nichtsdestotrotz sind Frederik und ich Surfen gegangen und hatten auch unseren Spaß.
Den Tag an am Strand verbringt man so wie man es sich vorstellt: mit Nichtstun und aufs Meer rausgucken (die angenehme Art nicht das gelangweilter Warten auf ein Ereignis), Lesen, sich über alle Möglichen und Unmöglichen Themen zu unterhalten und ab und zu ein wenig zu surfen oder schwimmen zu gehen. Zwischendurch haben wir dann noch einen kleinen Ausflug zu einem 20 Meter hohem Wasserfall in der Region gemacht.  Also ihr seht schon ich habe hier echt eine sehr schwere Zeit. Diesmal hat sich schon nachmittags ein großes Gewitter angekündigt (Offiziell geht ist die Regensaison zwar hauptsächlich in September und Oktober doch auch im November regnet es meist Abends oder Nachts.) und wir haben uns dann mit unseren Tortillas in die Zelte verzogen. Da trotz meiner Reparaturen und deutschem Ingenieurswerk an meinem Palmenbett dieses immer noch nicht sehr zum Schlaf einladend war, habe ich eine Weile mein Journal geschrieben, als ich etwas an meinem Rücken hochkrabbeln gespürt habe. Aus Rutine habe ich es erschreckend beiläufig zur Seite geschnickt um dann panisch zu erkennen, dass das soeben noch meinen nackten Rücken erkundende Etwas ein 6 cm großer Skorpion war.

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Nachdem ich den ersten Schock überwunden habe, habe ich den Skorpion dann mitsamt meines T-Shirts raus in den Regen geschleudert. Die Nacht wurde dann von Paranoia und ständigem durchsuchen all meiner Sachen im Zelt geprägt. Da meine beiden Freunde aus dem Hostel am Morgen weiter zum Corcovado NP fahren wollten, haben wir uns verabschiedet und ich bin danach Surfen gegangen. Es ist unglaublich, was für eine Vielfalt an Leben man hier im Wasser und an Land sehen kann. Neben den brüllenden Affen und Skorpionen an Land, habe ich im Wasser einen Rochen in 2 Meter Entfernung imposant aus dem Wasser springen gesehen, eine Schildkröte ist zwei Mal 1 Meter neben mir aufgetaucht um mich zu begutachten und in einiger Entfernung konnte man Delfine (dann doch etwas zu klischee-mäßig) aus dem Wasser springen sehen.
Alles in Allem hatte ich, trotz einiger Planänderungen eine sehr schöne Woche und bin dann nach einer angenehmen Nacht in einem richtigen Bett wieder 9 Stunden nach ins Projekt gefahren.

In meiner kommenden freien Woche werde ich nach Bocas del Toro, einem Inselgebiet in der Karibik Panamas reisen und später an der Pazifikküste Panamas tauchen gehen. Da ich in den kommenden Tagen meine neue Kamera ankommt hoffe ich euch in Zukunft mit mehr Fotos beglücken zu können.
Bis dahin alles liebe und vielen Dank noch einmal an alle, die sich für mein Jahr interessieren und in irgendeiner Weise geholfen haben dies zu realisieren.

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